Endlich geht die Trilogie um die sechzehnjährige Kyla weiter und die Autorin Teri Terry setzt genau da ein, wo sie bei Gelöscht die Leser mit einem Cliffhanger verabschiedet hat.

Kyla ist ein Slater, eine von vielen Jugendlichen, die im Jahr 2054 nach begangenen Verbrechen nicht ins Gefängnis geschickt werden, sondern denen buchstäblich ein Neustart in ein völlig anderes Leben verordnet wird. Slater wird ein Chip ins Gehirn gesetzt, sämtliche Erinnerungen an ihr altes Leben werden ihnen genommen, mit einem Emotionen kontrollierenden Armband ausgestattet und dann unter einer neuen Identität in fremden Familien untergebracht. Bei Kyla scheint einiges schief gelaufen zu sein, denn immer wieder hat sie Flashbacks in ihre Vergangenheit, an die sie sich eigentlich gar nicht erinnern dürfte. Natürlich muss sie dies geheim halten, ebenso wie die Tatsache, dass ihr Levo, ihre Emotionskontrolle nicht ordnungsgemäß funktioniert.

Schon im ersten Teil der Trilogie hat Kyla geahnt, dass die Regierung bei der Slating-Praxis nicht mit offenen Karten spielt und viel mehr dahinter steckt, als die Bevölkerung wissen darf. Obwohl ihr Erinnerungsvermögen total zersplittert ist wie ein zerbrochenes Glas, versucht sie mehr über ihre eigene Vergangenheit, das Verschwinden ihres Freundes Ben und die Verschwörung der Regierung, die für all das verantwortlich ist, herauszufinden. Mit ihrem Vertretungslehrer taucht eine Person auf, der sie scheinbar schon unter ihrer alten Identität kannte, aber kann sie ihm wirklich trauen?

Alle, die den ersten Teil der Trilogie verschlungen haben, werden auch an diesem Mittelteil Spaß haben. Man erfährt einiges Neues über Kyla, vieles trägt aber nicht unbedingt zur Klärung bei, sondern stiftet fast noch mehr Verwirrung. Teilweise hat man das Gefühl in ein Kaleidoskop zu schauen, denn mit jeder Veränderung der Perspektive stellt sich alles völlig anders dar. Als einziges klares Feindbild zeichnet sich lediglich immer mehr die Regierung ab, die mit ihrer Slating-Strategie scheinbar sehr viel mehr im Schild führt, als straffällig gewordenen Jugendlichen eine neue Chance zu geben. Die Geschichte nimmt immer wieder neue Wendungen und weder bei alten noch bei neuen Personen, die in Kylas Leben treten, ist vollständig klar, ob ihnen getraut werden kann.

Kyla ist sicherlich keine Hauptfigur, mit der man sich identifizieren kann, dafür ist ihre Persönlichkeit viel zu verwirrend. Aber es ist total spannend zu verfolgen, wie ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten von verschiedenen Personen zu ihren Zwecken manipuliert werden, Kyla jedoch ständig versucht, ihre wahre Identität in diesem ganzen Chaos wiederzufinden.

Die Ideen, die hinter dem Slating stecken, die möglichen Chancen und zahlreichen Risiken, die Denkanstöße zu Persönlichkeitsstörungen und Willensfreiheit sind total faszinierend und jugendbuchgerecht verarbeitet. Der Autorin gelingt es meiner Meinung nach weiterhin, die Spannung hochzuhalten und ich bin sehr gespannt auf den letzten Teil dieser dystopischen Serie, zumal uns Teri Terry auch diesmal wieder mit einem Cliffhanger in der Luft baumeln lässt.

Das eBook zu Zersplittert wurde mir freundlicherweise von bloggdeinbuch und dem Coppenrath-Verlag für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

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