John Dixons Phoenix Island erzählt die Geschichte des sechzehnjährigen Waisen Carl Freeman, einem preisgekrönten Boxer mit einem ziemlich explosiven Temperament. In Erinnerung an seinen verstorbenen Vater, einem ehemals respektierten Polizeibeamten, setzt Carl sich für die Schwachen in der Gesellschaft ein. Ganz anders als sein Vater übertritt er dabei jedoch mehr als einmal die Grenzen des Erlaubten. Carl kann es nicht ertragen zuzusehen, wenn Mobbingopfer gequält werden. Dabei spielt es für ihn keine Rolle, ob er das Opfer überhaupt kennt, die Gegner körperlich oder zahlenmäßig überlegen sein könnten oder derjenige, der schikaniert, eine Amtsperson ist: Carl schlägt zu, ohne zu überlegen, welche Konsequenzen das für ihn haben könnte. Daraus folgen natürlich zahlreiche Strafen und er wird von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht, bis ein Richter die einzige Chance zur Besserung für Carl darin sieht, ihn nach Phoenix Island zu schicken, einem Jugendstraflager auf einer Insel vor der Küste der USA.

Bis zu seinem 18. Geburtstag soll Carl auf dieser Insel beweisen, dass er sich bessern will, doch schnell muss er entdecken, dass die Chancen, dass er diesen Tag überhaupt erleben wird, schlecht stehen. Phoenix Island ist ein privates Straflager, auf dem US-Gesetze Schall und Rauch sind. Schikanen, Grausamkeiten und Folter sind an der Tagesordnung und niemand kann den Jugendlichen helfen, denn jeglicher Kontakt aufs Festland ist verboten und eine Flucht ist unmöglich. Die Insel birgt jedoch noch ein weiteres tödliches Geheimnis und Carl gerät schon bald in den Fokus des Interesses. Hat er überhaupt ein Chance, die Insel jemals lebend zu verlassen?

Der Autor greift mit Phoenix Island den „Kids for Cash“ – Korruptionsskandal aus den USA auf, der im Jahr 2008 aufgedeckt wurde. Damals hatten Betreiber privater Gefängnisse Richter mit hohen Summen bestochen, damit diese ihnen möglichst viele jugendliche Straftäter als Häftlinge zuwiesen. Das hat den Autor inspiriert, was in solchen Gefängnissen alles möglich sein könnte, unbeaufsichtigt von der Regierung, insbesondere, wenn die Jugendlichen Waisen sind und sich niemand mehr für sie interessiert.

Phoenix Island ist extrem spannend, voller interessanter Charaktere, im positiven wie im negativen Sinne. Die Schikanen und Grausamkeiten sind schockierend brutal, aber vermutlich nicht immer unrealistisch. Der Autor macht Angst, Verzweiflung und Fassungslosigkeit für den Leser fühlbar, so dass man das Buch kaum zur Seite legen kann. Auch wenn Carl ein (zu Recht?) verurteilter Straftäter ist, muss man ihn für seine Einstellung respektieren, auch wenn er vermutlich nicht immer vernünftig handelt. John Dixon hat Stark, den Leiter der Insel, eine Passage zu Carl sagen lassen, die mich sehr nachdenklich gemacht hat: Sinngemäß vergleicht er heutige Kinder mit kleinen Schafen, die zufrieden sind mit ihrem elektronischen Spielfeld. Die Kinder, die keine Schafe sind und womöglich ausbrechen, werden bestraft, mit Medikamenten behandelt, eingesperrt und wenn gar nichts geht in eine Einrichtung wie seine geschickt. Dort werden sie dann einem für die Gesellschaft bedeutungsvollerem Leben zugeführt…

Phoenix Island ist ein actiongeladener Thriller mit dystopischen Zügen, der mich absolut gefesselt hat. Weitgehend zeitgleich mit Erscheinen des Buchs bei Gallery Books im Januar 2014 auf dem amerikanischen Markt, startet bei CBS die TV-Serie Intelligence, die durch John Dixons Buch inspiriert wurde. Ich hoffe sehr, dass das Buch sehr bald auch seinen Weg auf den deutschen Buchmarkt findet und man noch mehr von John Dixon hören und lesen wird.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung nicht nur für Fans dystopischer Literatur. Auch wenn die Hauptfiguren Jugendliche sind, würde ich unter anderem wegen der Thematik und der Brutalität Phoenix Island nicht unbedingt als Jugendbuch einordnen.

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