Johannes Groschupf: Lost Places

Veröffentlicht: Januar 5, 2014 in 5 Sterne - Unbedingt anschaffen!!, Abenteuer, Drogen, Freundschaft, Gewalt, Grusel
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„Wir wollten nirgends sein als hier, in dieser merkwürdigen verlassenen Fabrik, in diesem Gebäude, das seit Jahren wohl niemand betreten hatte und das sich über unseren Besuch gewiss wunderte, wenn nicht sogar insgeheim freute. So seltsam es klingen mag, das Gebäude schien unsere tastenden Schritte, unsere neugierigen Blicke zu erwidern.“
Lennart in Lost Places von Johannes Groschupf

Chris, Moe, Steven, Kaya und Lennart sind Urban Explorer – fünf befreundete Jugendliche, die in ihren Sommerferien durch das nächtliche Berlin streifen auf der Suche nach sogenannten Lost Places. Diese „vergessenen Orte“ sind aufgegebene Industrieanlagen, stillgelegte Krankenhäuser und Verwaltungsgebäude oder einfach nur leer stehende Wohnhäuser. Um dem Alltag zu entfliehen, genießen sie den verbotenen Grusel, die Stille und die Geheimnisse der verfallenden Gebäude.

Der Grusel wird sehr real, als die Freunde bei einem ihrer nächtlichen Streifzüge zunächst eine Leiche und dann noch ein prall gefülltes Drogenpaket entdecken. Schon bald ahnen sie, dass sie auf Verstecke und Treffpunkte der Motorradgang Bandidos gestoßen sind und die Gangmitglieder nicht begeistert sein dürften, dass die Freunde ihnen einige Geschäfte vermasselt haben. Die nächtlichen Entdeckungstouren werden immer gefährlicher …

Johannes Groschupf ist mit Lost Places ein sehr spannendes Buch gelungen, das den Leser mitnimmt in die Welt der Urban Exploration. Passenderweise hat er sich für den Schauplatz der Handlung Berlin ausgesucht, vermutlich DIE Hauptstadt der vergessenen und aufgegebenen Plätze in Deutschland überhaupt. Es macht Spaß, mit den fünf Jugendlichen in das nächtliche Berlin einzutauchen und dabei den gruseligen Charme und verbotenen und teilweise auch gefährlichen Nervenkitzel der baufälligen alten Gebäude mitzuerleben. Groschupf beschreibt die Orte so plastisch, dass man sie sich als Leser sehr gut vorstellen kann und fast das Gefühl hat, dabei zu sein. Die kriminellen Aktivitäten und die Bedrohung durch die Bandidos geben der Geschichte noch einen zusätzlichen Kick.

Der Autor erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Lennart, einem der fünf Freunde und gibt einen kurzen Einblick in dessen Charakter, Ängste und Probleme, ohne dabei jedoch allzu sehr in die Tiefe zu gehen. Seine Sprache ist nah an der Jugendsprache, aber nicht so, dass es aufgesetzt und übertrieben wirkt, sondern realistisch.

Insgesamt hatte ich nicht das Gefühl, dass überhaupt die Menschen im Vordergrund des Romans stehen, sondern vielmehr die Lost Places, mit ihren Geschichten aus der Vergangenheit und der Gegenwart, die sie zu erzählen haben. Dies zeigt auch das meiner Meinung nach sehr gut gelungene Cover, das mit dem verfallenen Gebäude und dem wolkenverhangenen Himmel viel Platz für Phantasie lässt. Die Menschen sind nur Teil der Geschichte dieser Häuser.

Lost Places hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden durchgeschmökert. Groschupf beweist, dass gruselige Atmosphäre auch ohne Mystery auskommt. Klare Leseempfehlung: 5 Sterne!

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