Jakob Linder schoss mich ab wie ein wildes Tier. Seine Waffe war ein schwarzer Jaguar, und dass er mich sorgfältig ausgewählt hatte, kapierte ich erst, als es viel zu spät war.
Mick in NO WAY OUT

Wieder einmal zur falschen Zeit am falschen Ort – so erscheint es dem jugendlichen Mick, als er nachts auf einer einsamen Landstraße von einem schwarzen Jaguar angefahren wird und der Unfallverursacher einfach verschwindet, ohne sich um den Schwerverletzten zu kümmern.

Doch es soll noch schlimmer kommen: Der Autofahrer, der steinreiche Jakob Linder, kommt zwar zurück und lässt Mick ärztlich versorgen. Dies geschieht jedoch nicht in einer Arztpraxis oder in einem Krankenhaus, sondern in der Nobelvilla des Mannes. Mehrere Tage lang dämmert Mick mehr oder weniger vor sich hin. Mit Drogen voll gepumpt kann er sich nicht aufrappeln und wieder aus dem unheimlichen Haus verschwinden. Auf Hilfe von außen kann er nicht hoffen, denn wer sollte schon einen jugendlichen Ausreißer und Herumtreiber wie ihn vermissen? Der Horror nimmt seinen vorläufigen Höhepunkt, als Mick aufwacht und Isabella, die Frau des Wirtschaftsbonzen, tot in ihrem Blut neben dem nackten Mick liegt. Alles deutet darauf hin, dass Mick der Mörder ist. Natürlich kann er sich an nichts erinnern und voller Panik versucht er die Flucht. Dabei nimmt er auch noch Isabellas Tochter Edy als Geisel.

Ist Mick tatsächlich ein Mörder oder ist er in eine hinterhältig und grausam geplante Falle geraten? Verzweifelt sucht er nach Fehlern bei sich selbst und weiß nicht, wem er bei seiner Flucht und der Suche nach dem Beweis seiner Unschuld trauen darf.

Alice Gabathuler ist mit ihrem neuen Roman NO WAY OUT ein bei ihr schon gewohnt packender Thriller gelungen, der den Leser von der ersten bis zur letzten Seite an die Geschichte fesselt. Durch die von der Autorin gewählte Ich-Perspektive ist man als Leser mittendrin in Micks Gefühlen, seiner Angst, Verzweiflung und dem zeitweiligen durch die Medikamente verursachten Chaos im Kopf. Die Sprache ist wenig poetisch, sondern sehr direkt und realistisch, dabei jedoch sehr leicht und angenehm zu lesen. Mick und auch die anderen Hauptcharaktere wie sein Freund Smiley und seine Geisel Edy sind sehr nachvollziehbare und spannende Figuren mit Ecken und Kanten.

Der Plot scheint auf den ersten Blick vielleicht ziemlich übertrieben und an den Haaren herbeigezogen zu sein. Sieht man jedoch genauer hin, erkennt man, wie viel davon tatsächlich vermutlich möglich wäre. Dass ein jugendlicher Obdachloser einfach so von der Bildfläche verschwinden kann, ist sicherlich grausame Realität, ebenso wie die Tatsache, dass es ein Leichtes sein dürfte, Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, kriminelle Machenschaften in die Schuhe zu schieben, obwohl sie eigentlich unschuldig sind. Wer soll ihnen schon glauben, wenn alle Indizien gegen sie sprechen und ein respektierter Anzugträger gegen sie aussagt? Ist ein vermeintlich plausibler Schuldiger gefunden, kann die Hexenjagd eröffnet und der Übeltäter zur Strecke gebracht werden.

Die Autorin bringt geschickt die Macht der Presse und Online-Medien ein, die Mick im Bild der Öffentlichkeit scheinbar nach Belieben als brutaler Täter oder als bemitleidenswertes Opfer dastehen lassen.

NO WAY OUT ist nicht nur ein fesselnder Thriller, sondern auch ein sehr geschickt geschnürtes Paket Gesellschaftskritik. Der Roman unterhält und fordert ohne erhobenen Zeigefinger gleichzeitig zum Nachdenken auf. Sehr zu empfehlen für Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren.

Vielen Dank an bloggdeinbuch und den Thienemann Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar mit der Bitte um meine ehrliche und unvoreingenommene Meinung zu dem Buch zur Verfügung gestellt haben.

Broschur
Seiten: 336
Alter: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-522-20178-0
Preis: 12,95 €

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