In dem Thriller UND KEINER WIRD DICH KENNEN erzählt die Autorin Katja Brandis die Geschichte von Maja, deren Familie Opfer eines Stalkers ist.

Nachdem der brutale Terror des Exfreunds von Majas Mutter mit Gefängnis bestraft wurde, ist bei Maja und ihrer Familie nach einigen Jahren wieder so etwas wie Normalität eingekehrt. Zwar sprechen sie mit niemandem über das Erlebte, um alte Wunden nicht wieder und wieder aufreißen zu lassen, doch die größte Angst ist bei ihnen vorüber. Maja , ihre Mutter und ihr kleiner Bruder haben ein schönes Zuhause, Freunde gefunden und sind glücklich.

Dieses Glück nimmt ein plötzliches Ende, als Majas Familie erfährt, dass der Mann, der sie so lange tyrannisiert hat, aus dem Gefängnis entlassen wird. Von einem Tag auf den anderen muss die Familie im Rahmen des Opferschutzprogramms untertauchen, um nicht wieder bedroht zu werden. Dabei müssen sie alles hinter sich lassen: ihr Zuhause, Erinnerungsstücke, Freunde, Maja ihren neuen Freund Lorenzo und nicht zuletzt sogar ihre Identität.

In einer neuen Stadt müssen sie unter neuen Namen ganz von vorne anfangen. Obwohl Maja sich Mühe gibt, das beste aus der Situation zu machen, kann und will sie diesen Albtraum aus Angst, Lügen und Verzicht nicht akzeptieren. Um Lorenzo wiederzusehen, trifft sie eine einsame Entscheidung, die ihre ganze Familie in Lebensgefahr bringt.

Den Albtraum, ein Stalking-Opfer zu sein, beschreibt Katja Brandis sehr spannend. Eigentlich unverschuldet schliddert Majas Familie in diesen Terror und scheint sich nur während des Gefängnisaufenthalts des Täters vorübergehend aus der Opferrolle befreien zu können. Die psychologische Betreuung hilft zwar, die Vergangenheit zu bewältigen, aber der Gedanke an die Zukunft, wenn der Täter wieder auf freiem Fuß ist, lässt die Angst sofort wieder hochkommen. Und dabei ist irgendwie kein Ende in Sicht.Die Strafe für die Opfer erscheint deutlich härter als für den Täter. Sie leben auf der Flucht und in ständiger Angst, während der Stalker nach seiner Gefängnisstrafe wieder da weitermachen kann, wo er aufgehört hat.

Man kann sehr gut Frust, Wut und Trauer der betroffenen Personen nachvollziehen, denn Katja Brandis erzählt nicht nur über Maja und ihre Familie, sondern auch über Lorenzo, Majas Freund, und über Majas neue Freunde, die nur ahnen können, dass mit ihr irgend etwas nicht stimmt. Die immer wieder eingestreuten Passagen über Robert, den Stalker, erhöhen die Spannung.

Majas Entscheidungen sind unvernünftig, aber nachvollziehbar. Es ist sehr hart, alles was einem wichtig ist, zurücklassen zu müssen, ohne dass man dabei mit entscheiden kann. Dieses Gefühl der Ohnmacht macht die Autorin in ihrem Thriller sehr deutlich.

Das Thema Stalking ist immer wieder aktuell in der Presse, doch was das für die Betroffenen bedeutet, darüber denkt man oft nicht nach. Trotz oder wegen des schwierigen und spannenden Themas ein Buch, das ich kaum zur Seite legen konnte. Meiner Meinung nach ist dieser Thriller nicht nur für Mädchen geeignet, sondern für alle, die Interesse an Spannung und einem brisanten Thema haben.

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