Mikael Niemi: Erschieß die Apfelsine

Veröffentlicht: März 19, 2013 in 4 Sterne - Lesenswert, Amoklauf, Freundschaft, Rezensionen, Schule
Schlagwörter:, , , ,

Die 16jährige Hauptfigur des schwedischen Autors Mikael Niemi beschreibt sich selbst als eine unauffällige graue Staubmaus. Er ist so unauffällig, dass man nicht einmal seinen Namen erfährt; der Autor lässt den Protagonisten durchgehend aus der Ich-Perspektive erzählen. Der Junge hält sich immer in der Mitte, ist nirgends der Beste, aber auch nicht der Schlechteste, hört dieselbe Musik wie alle anderen und guckt dieselben Filme.

Eines Tages traut er sich jedoch, aus der unauffälligen Mitte herauszutreten: Da er sich in ein Mädchen aus seinem Jahrgang verknallt hat, kauft er Blumen für sie und will sie ihr in der Schule überreichen. Natürlich passiert, was passieren muss. Das Mädchen lacht ihn aus und lässt ihn einfach stehen. Zu allem Überfluss hat fast die ganze Schule den peinlichen Auftritt mitbekommen.

Anfangs versucht er noch, sich nach der Blamage zu verstecken, aber schon am nächsten Tag geht er den genau entgegengesetzten Weg. Er zieht sich absichtlich hässlich an, schmiert sich Dreck ins Gesicht und provoziert wo er nur kann – wenn schon auffallen, dann richtig. Lieber ist er ein durchgeknallter Freak als eine Null. So macht er sich nicht nur Feinde, sondern auch ein paar Freunde. Sein vermeintlich größter Erfolg, ein Gewalt verherrlichendes selbst geschriebenes Gedicht, das er an die Schulpinnwand heftet, wird ihm geklaut. Ein anderer behauptet, dass das Gedicht von ihm stamme.

Zu seinen Freunden gehört neuerdings auch Pålle, der vom Rest der Schule gemobbt wird und aus sehr problematischen Familienverhältnissen stammt. Pålle fasst Vertrauen zum Erzähler und gemeinsam grenzen sie sich immer weiter vom Rest der Welt ab. Ihr Ziel: Es allen Arschgeigen mal richtig zu zeigen… Ist die Katastrophe damit schon vorprogrammiert?

Der Autor Mikael Niemi beschreibt in seinem Buch „Erschieß die Apfelsine“ einen Jugendlichen, der glaubt, sich durch eine peinliche Erfahrung selbst endgültig ins Abseits gekickt zu haben. Von da an springt er einerseits voller Begeisterung in jedes Fettnäpfchen, das sich ihm bietet, ist aber auf der anderen Seite ständig voller Selbstmitleid – ein echtes „Opfer“.

Die Hauptfigur ist sehr schräg beschrieben, total überdreht, aber irgendwie doch erschreckend glaubwürdig. Er ist einerseits total verschlossen und schwer nachvollziehbar, andererseits wirkt er aber dann sympathisch, wenn er versucht, Pålle zu helfen. Das Problem ist, dass er nicht zu merken scheint, auf welche Katastrophe die Freundschaft hinausläuft.

Niemis Hauptfigur ist so krass drauf, dass es schwer fällt, ihn ansatzweise sympathisch zu finden. Trotzdem ist das Buch zu keinem Zeitpunkt langweilig oder schlecht zu lesen. Es macht auf jeden Fall sehr nachdenklich, was in so manchem vorgehen mag, der gerade auf dem Schulflur an dir vorbeigegangen ist…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s