– und doch bricht es dir das Herz, wenn du die Tausende siehst, um die sich niemand kümmert. Du schaust auf die Müllberge und die Kinder dort oben, die aussehen wie weiterer Müll, und es befällt dich leicht der Gedanke, dass das, was du in einer Schule wie dieser erreichst, absolut keine Folgen hat und niemandem hilft.
Pater Juilliard, Leiter einer Missionsschule an der Müllhalde Behala nahe Manila
in TRASH von Andy Mulligan

Raphael, Gardo und Ratte sind Mülljungs. Unter erbärmlichen Bedingungen leben sie wie mehrere Tausend weitere Menschen auf der Müllhalde Behala am Rand von Manila auf den Philippinen.

Von morgens bis abends arbeiten die Kinder in Verwesungsgestank und giftigem Qualm von verbrennendem Müll und durchforsten die Abfälle nach Wertstoffen, die sie verkaufen können. Die kläglichen Einkünfte reichen gerade, um sich ein bisschen Nahrung zu kaufen. Alle drei können von einer besseren Zukunft nicht einmal träumen, bis Raphael eines Tages einen sensationellen Fund macht. Er entdeckt eine Tasche, die nicht nur eine Menge Bargeld enthält, sondern auch einen Schlüssel, der anscheinend zu einem Schließfach gehört. Die Freude über den Fund währt nicht lang, denn schon kurze Zeit später fallen ganze Hundertschaften von Polizisten wie Heuschrecken auf der Müllhalde ein. Sie suchen, wenn das mal kein Zufall ist, nach einer Ledertasche, die scheinbar sehr wichtig ist. Auf den Fund dieser Tasche ist eine hohe Prämie ausgesetzt, doch Raphael und seine Freunde halten dicht und verraten nicht, dass sie die Tasche bereits entdeckt haben. Neugierig geworden, was denn so Wichtiges hinter der Tasche steckt, machen sie sich auf die Suche nach dem Schließfach. Dabei kommt ihnen jedoch die Polizei auf die Spur und verfolgt sie erbarmungslos. Mittlerweile ist es zu spät, aus diesem Abenteuer auszusteigen und für die drei Jungs bleibt nur noch die Flucht mit der Hoffnung auf ein besseres Leben oder die Angst, von der Polizei gefasst und möglicherweise getötet zu werden. War ihr Alltag im geregelten Elend möglicherweise doch besser als das Leben auf der Flucht?

Andy Mulligan lässt die Leser von der ersten Seite an in die (für uns Europäer) schockierende Welt von Raphael, Gardo und Ratte eintauchen. Ohne Umschweife beschreibt er, in welcher buchstäblichen Sch…e die Kinder herumstochern müssen, um etwas Brauchbares zu finden, womit sie etwas zu Essen tauschen können. Erzählt wird abwechselnd nicht nur jeweils aus der Perspektive der drei Kinder, sondern auch von verschiedenen Personen, die sie mehr oder weniger unfreiwillig bei ihrem Abenteuer unterstützen. Dadurch erfährt man nicht nur die Sichtweise der Einheimischen, sondern zum Beispiel auch die Gedanken des Leiters der Missionsschule an der Müllhalde und einer jungen Engländerin, die an der Missionsschule ein freiwilliges soziales Jahr ableistet. Besonders die Sicht dieser beiden Ausländer hat mich oft sogar noch nachdenklicher gemacht. Die beiden können nicht wie die Betroffenen selbst das Schicksal der Menschen auf der Müllhalde einfach hinnehmen, sondern versuchen zu helfen. Dabei müssen sie sich jedoch oft fragen, ob das überhaupt irgend etwas bringt.

Schule und Ausbildung sind für die Menschen auf der Müllhalde sinnlose Zeitverschwendung, ein Luxus, der sie nur von der Arbeit und damit von etwas zu Essen abhält. Trotz der unglaublich schlechten Lebensbedingungen jammern die Kinder jedoch nicht, sondern halten zusammen und machen das Beste aus ihrer Situation. Obwohl sie kaum lesen und schreiben können, schaffen sie es durch ihren Zusammenhalt und ihre Lebenserfahrungen, auch aus den bedrohlichsten Situationen wieder herauszukommen. In einer Gesellschaft, in der die Müllkinder selbst buchstäblich wie Müll behandelt werden und in der Korruption und Polizeiwillkür an der Tagesordnung sind, müssen sie sich mit gegenseitigem Vertrauen, auf der Straße und im harten Alltag erworbener Cleverness und einer ordentlichen Portion Glück durchschlagen.

Auch wenn diese Geschichte fiktiv ist, beschreibt sie trotzdem sehr realistisch das Leben von Müll sammelnden Kindern auf den Philippinen. Dem Autor ist jedoch auch sehr wichtig, dass dies nicht die einzige Seite des Landes ist, sondern dass man sich alles ansehen muss und es auch sehr vieles an diesem Land gibt, in das man sich verlieben kann.

Ja, du musst nur weit genug gehen, dann wird die Erde zu weichen Sand, und jetzt sind wir an einem Ort, der schöner ist als die Schöpfung.
aus TRASH von Andy Mulligan

TRASH ist absolut lesenswert, definitiv nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene geeignet.

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