Burton, Spitzname Butterball, gehört nicht gerade zu den beliebten Kids an seiner Schule in einem New Yorker Vorort: er ist ziemlich dick und einer von wenigen Afroamerikanern, kurz gesagt ein totaler Außenseiter. Er hasst aber nicht nur seinen Schulalltag, sondern auch seine kaputte Familie. Dadurch ist er so frustriert, dass er eines Tages einfach ausrastet. Ein Mitschüler, von dem er glaubt, dass dieser schlecht über ihn geredet haben könnte, wird von ihm brutal zusammengeschlagen. Der Rest der Schule ist total geschockt. Aber Butterball ist trotzdem zufrieden mit sich, denn fast macht es den Eindruck, als ob ihm jetzt mehr Leute mit Respekt begegnen würden. Nur knapp entgeht Butterball einem Schulverweis, muss dafür jetzt aber regelmäßig zu einer Gesprächstherapie gehen, worüber er natürlich überhaupt nicht begeistert ist. So ist es kein Wunder, dass er die Therapeutin kaum an sich heranlässt und ihr womöglich etwas über seine Probleme erzählt. Schließlich hatte er gute Gründe für seine Tat – oder etwa nicht?!

Curtis Jackson a.k.a. 50 Cent – ein Rapper als Autor… Okay, dachte ich, als ich den Roman im Buchladen in der Hand hielt. Ein Rapper, der ein Buch schreibt, ist fast so wie ein Schauspieler, der singt, oder ein Sänger, der sich als Schauspieler versucht – so zumindest waren meine ersten Gedanken. Einige wenige Versuche sind ganz erfolgreich, aber meistens ist es eher eine Pleite. Entsprechend niedrig waren meine Erwartungen bei der Lektüre von PLAYGROUND. Für mich sehr erfreulich war dann die positive Überraschung.

Der Autor 50 Cent erzählt PLAYGROUND aus der Perspektive der Hauptfigur Butterball mit der passenden (T)Rotzigkeit. Seine Schwierigkeiten in der Familie und in der Schule sind sehr realistisch dargestellt und gut nachvollziehbar; die daraus resultierenden Aggressionen garantiert kein Einzelfall. Sprichwörtlich mit Gewalt versucht Butterball, sich den Respekt seiner Umwelt zu verschaffen. Ein Teil seines Umfelds nutzt sein Streben nach Anerkennung aus und manipuliert Butterball, um ihn dann letztendlich doch bloßzustellen. Für Kinder und Jugendliche wie Butterball ist es sehr schwierig, sich selbst anzunehmen und ihren eigenen Weg zu gehen, ohne komplett in die Kriminalität abzurutschen. Diese Problematik stellt 50 Cent, der beim Schreiben auch auf eigene Jugenderfahrungen zurückgegriffen hat, sehr realistisch dar. Es ist sicherlich sehr wichtig, den Jugendlichen Perspektiven aufzuzeigen, an ihre eigenen Möglichkeiten zu glauben, so wie auch Butterball eine Chance gegeben wird. Ob gerade in dem beschriebenen Umfeld das allerdings immer so realistisch ist? Puuh, ich glaube es fast nicht. Die meisten werden solche Chancen nicht unbedingt bekommen. Daher kommt mir das Ende des Romans schon fast zu kitschig „Happy End“-ig daher. Was man zählen muss, ist aber vermutlich der gute Wille, die unbequeme Realität darzustellen und einen möglichen Weg, eine Karriere als Krimineller abzuwenden.

PLAYGROUND ist leicht und flüssig zu lesen, die Sprache ist sehr jugendlich, aber gleitet nicht in den Slang ab. Man nimmt dem Autor ab, dass er weiß wovon er schreibt, wenn er über die Probleme jugendlicher Afroamerikaner in den USA erzählt. Er selbst hat es geschafft, sich von diesen Problemen zu lösen und mit seiner Leidenschaft zur Musik einen ganz neuen Weg einzuschlagen. Mit diesem Buch zeigt er einerseits den Jugendlichen, dass sie ihren Weg auch machen können, aber ebenso den Erwachsenen, dass sie die Jugendlichen unterstützen müssen, um diesen Weg auch finden zu können.

Für mich durchaus überraschend ist dem Rapper tatsächlich ein sehr gut lesbares Buch gelungen – mit kleinen Abstrichen (zu einfaches Ende) vergebe ich vier Sterne.

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Kommentare
  1. privatkino sagt:

    Das Buch habe ich mir gerade erst gekauft, weil ich auch gespannt war, wie und ob 50 Cent schreiben kann, deine Rezension klingt aber schon sehr vielversprechend!

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