Interview mit Autor Gerd Ruebenstrunk

Veröffentlicht: März 2, 2013 in Autoreninterview
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Bei Gerd Ruebenstrunks Besuch von Stefanie Leos Wohnzimmerlesung hatte ich die Gelegenheit, dem Autor von unter anderem „Rebellen der Ewigkeit“, „Arthur“, „Der letzte Zauberlehrling“, und seinem Neuling „Assassino“, den er dort auch vorgestellt hat, 10 Fragen zu stellen:

Gerd Ruebenstrunk

Gerd Ruebenstrunk

Herr Ruebenstrunk, am 5. März erscheint Ihr neues Jugendbuch „Assassino“. Wenn ich richtig gezählt habe, ist das bereits Ihr siebter Roman allein seit 2009.

1. Woher kommen Ihre zahlreichen Ideen für die unterschiedlichen Themen, Charaktere und Schauplätze?

Ich habe ja den großen Vorteil – manche sehen es auch als Nachteil -, dass ich erst relativ spät angefangen habe zu schreiben, d. h. erst mit 50 oder 51 habe ich angefangen, Bücher zu schreiben. Da hat sich natürlich eine ganze Menge angesammelt – ich habe z. B. früher für 2, 3 Jahre viel fürs Fernsehen entwickelt, also Stories, Spielfilme, Serien und vieles mehr. Also war da eigentlich schon ein riesiger Ideenfundus vorhanden – und den habe ich dann einfach hinterher angefangen, in Bücher umzusetzen. Es sammelt sich also einiges an in so ein paar Jahrzehnten (lacht), wo man dann hinterher gucken muss, dass man es einigermaßen ordentlich verarbeitet. Es ist nicht so, dass ich mich hinsetze und sage „Hm, was könnte man für eine Idee entwickeln“ – das funktioniert meistens auch nicht. Es sind meistens solche Sachen, die einem einfach im Alltag einfallen. Beispielsweise bei „Das Wörterbuch des Viktor Vau“: Auf der Terrasse im Sommer – wir haben viele Amseln im Garten – dachte ich: „Mensch – es gibt ja eigentlich gar kein Wort für die männliche Amsel – warum nicht? Die Amsel ist ja weiblich, warum heißt er nicht der Amsler oder so?“ Und aus diesem Gedanken heraus, dass man für jede Sache, die es gibt, eine exakte Bezeichnung findet, kommt dann der nächste Gedanke: „Was wäre eigentlich, wenn einer ein Wörterbuch schreibt, wo diese exakten Begriffe drinstehen?“ Und daraus ist dann „Das Wörterbuch des Viktor Vau“ geworden. Manchmal sind das also ganz banale Dinge.

2. Was haben Sie zuerst im Kopf: Plot und Schauplätze oder die Protagonisten?

Es ist eigentlich immer die Grundidee, die zuerst da ist, die Charaktere sind es eher selten. Ich bin zum Beispiel jemand, der – leider, finde ich – immer sehr handlungsgetrieben schreibt und weniger charaktergetrieben. Es gibt ja Autoren, die sehr vom Charakter her kommen und auch deren Entwicklung in den Mittelpunkt stellen, bei mir dagegen ist es eher die Handlung. Und von daher ist es eher so eine Grundidee, also „Was wäre, wenn, …“, mit der die meisten meiner Geschichten eigentlich anfangen.

„Wichtige Botschaft: Selbstverantwortung“

3. Ihr Roman „Rebellen der Ewigkeit“ ist sehr gesellschaftskritisch, es geht es um Zeithandel , um Lebenszeit, die reiche Menschen den Armen abkaufen. Soll Ihr neues Werk „Assassino“ ebenso wie der Vorgänger auch zum Nachdenken anregen, oder stehen diesmal Abenteuer und Spannung im Vordergrund?

(schmunzelt) Es gibt ja manche Autoren, die fangen mit einer Prämisse an, das wird auch in mancher Literatur oder Schreibbüchern gelehrt: Man muss erst einmal eine Prämisse haben, bevor ich anfange, das heißt irgendeine moralische Botschaft. Dann macht man irgendeine Handlung, die diese moralische Botschaft vermittelt – das tue ich nicht. Ich fange einfach mit der Story an und schreibe die Story und bin manchmal selber hinterher erstaunt, dass man da so etwas rauslesen kann. Oftmals lese ich das dann sogar in den ersten Rezensionen, deswegen habe ich jetzt auch beim „Assassino“ nicht mit einer bestimmten Botschaft angefangen . Wenn mir dann meine erste Leserin den Gehalt von „Assassino“, also die moralische Prämisse beschrieben hat, hab ich gesagt: „Ja, das stimmt, das ist so“, aber beim Schreiben denke ich da nicht dran. Ein Thema, das mich schon bewegt ist das Thema der Selbstverantwortung des Eigenen, also dass man für sein Leben und seine Handlungen verantwortlich ist, und der Missbrauch gesellschaftlicher Macht. Das war jetzt bei den „Rebellen der Ewigkeit“ und bei „Der letzte Zauberlehrling“ eigentlich auch sehr stark. Bei „Assassino“ ist es nicht so direkt, aber es hat schon wieder mit der Verantwortung, die man für sein Leben und für andere übernehmen sollte, zu tun.

4. Wer im Internet nach Ihrer Biographie sucht, kann leicht herausfinden, dass Sie nicht unbedingt einen geradlinigen Berufsweg gegangen sind. Positiv ausgedrückt kann man auch sagen, dass Sie Ihre Ausbildung sehr breit gefächert haben, indem Sie Germanistik, Englisch, Deutsch, Geschichte, Wirtschaftslehre und Psychologie studiert haben.

Ist es für Ihre Arbeit im Kreativbereich, egal ob als Werbetexter, Chefredakteur für Fernsehshows oder eben als Buchautor hilfreich, öfter als einmal über den Tellerrand geguckt zu haben?

Absolut. Was das Psychologiestudium angeht, das „Wörterbuch des Viktor Vau“ hat ja zu einem großen Teil auch etwas zu tun mit Gehirntheorie und solchen Sachen, da habe ich schon sehr viel aus meinem Psychologiestudium entnommen. Generell gilt natürlich, und das für alle Autoren, dass man relativ breite Interessen haben sollte oder hat, weil man ja aus jeder Ecke eine Idee oder Anregung bekommen kann. Ich lese zum Beispiel Geschichtsbücher, Bücher über Physik oder Mathematik, Biographien, also sehr querbeet, und habe früher auch immer diese 80-Pfennig bzw. jetzt 1-Euro-Heftchen gelesen – Perry Rhodan war’s jetzt nicht unbedingt, aber so andere Sachen, weil ich denke, Ideen liegen eigentlich überall. Und als Autor kann man das dann alles als Input begreifen, aus dem man dann irgendwas macht. Also je breiter, finde ich, desto besser. Gerade weil, wie du eben schon gesagt hast, es ja so ist, dass ich mit jedem Buch ein anderes Thema oder Genre habe: Der Arthur ist etwas anderes als die Rebellen, etwas anderes als der Assassino jetzt wieder oder der Viktor Vau. Das heißt, ich habe sehr viele Ideen, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen, die möglich machen, immer mal etwas anderes auszuprobieren. Man könnte jetzt auch negativ sagen: „Er hat jetzt noch nicht gefunden, was er schreiben will.“ – Für mich geht es erst einmal darum, in die Breite zu gehen.

-Was ja natürlich besser ist, als eine Idee zig mal zu reproduzieren.

Ja, aber einige Erfolgsautoren machen das ja so – Dan Brown zum Beispiel. Es ist ja auch so, dass viele gerne das lesen, was sie schon gelesen haben. Bei Bestsellern sieht man das ja häufig, die dann alle serienmäßig geschrieben werden und im Grunde genommen immer bestimmte Muster haben. Ken Follett ist jemand, der es ja offen einräumt, der sogar ein Buch darüber geschrieben hat – oder von seinem Agenten hat schreiben lassen -, dass er ein ganz bestimmtes Geschichtenmuster hat und dass er jedes Buch nach diesem Storymuster erzählt. Nachdem ich das mal gelesen hatte, konnte ich keine Ken-Follett-Bücher mehr lesen, weil die für mich dann einfach stinklangweilig waren, weil ich genau wusste, es sind immer dieselben Versatzstücke. Da versuche ich mich immer ein Bisschen von fern zu halten – werden wir ja bald sehen, ob das klappt (lacht).

5. Ist der Beruf „Autor“ für Sie die Erfüllung eines Jugendtraums?

Ja. Ich wollte schon immer schreiben. Ich habe schon mit 16 in der Schule, wie es halt so üblich ist, oder kurz davor, angefangen, Geschichten und Gedichte zu schreiben. Damals waren Gedichte so mein Faible. Den chilenischen Dichter Pablo Neruda fand ich zum Beispiel ganz toll und habe dann auch mit 17 Jahren ein Gedicht in der Literaturzeitschrift Kürbiskern veröffentlicht (die gibt es heute nicht mehr, war aber damals relativ bekannt). Da dachte ich dann erstmal, werde ich vielleicht Lyriker und als Nächstes, mit 18, 19 habe ich dann einen Krimi angefangen mit 40-50 Seiten. Irgendwann habe ich aber damit aufgehört, weil ich intuitiv geschrieben habe, aber nicht mehr weiter wusste – es war ja auch sehr anstrengend, weiter zu machen. Als ich dann wieder angefangen habe, hatte ich eine ganze Menge dazu gelernt: Unter anderem, dass man, wenn man eine Geschichte schreiben will, eigentlich erst das Ende wissen muss, bevor man anfängt – ansonsten verheddert man sich. Aber es war ein Jugendtraum, auf jeden Fall.

6. Also fanden Sie, wie man von einem Autor ja erwarten könnte, den Umgang mit Sprache schon in der Schule toll. Waren Deutsch und/oder Englisch dann auch bereits in der Schule Ihre Lieblingsfächer? Wenn ja: Was hat Sie am Unterricht interessiert? Wenn nein: Was hat Sie gestört?

Englisch nicht, Deutsch war immer eins, bis auf einmal, wo es mehr ein Zwist zwischen mir und meiner Lehrerin war, aber ansonsten war Deutsch eigentlich immer mein Paradefach mit sehr gut bis zum Abitur – vom ersten bis zum letzten Schuljahr. Englisch war ein Bisschen anders, weil ich vom altsprachigen Gymnasium war, das heißt Griechisch und Latein als erste Fremdsprache. Englisch kam dann für 3 Jahre dazu und das war dann in erster Linie Grammatik. Das war nicht so mein Ding – ich habe sehr viele englische Zeitschriften und Bücher gelesen und schon mit 16 Jahren mit englischen Thrillern angefangen (Alistair MacLean und sowas – fand ich ganz toll). Also ich konnte besser Englisch als jeder andere in meiner Klasse, hatte aber immer nur eine vier. Aber Deutsch ist glaube ich bei den meisten Autoren so, dass ihnen das schon in der Schule gefallen hat.

Karl May als Lektürenfavorit in der Kindheit

7. Haben Sie in Ihrer Kindheit und Jugend viel gelesen? Was waren Ihre Lieblingsgenres und -autoren?

Also die englischen Autoren waren meistens Thrillerautoren. Meine Kindheitslektüre war natürlich Karl May – als ich 14 war hatte ich also alle 70 Bände oder wie viele es gab, durchgelesen und auch im Besitz, damals gab es diese schönen Taschenbücher von Ueberreuter (für die Dicken fehlte mir das Geld). Karl May war also definitiv einer der Autoren, die mich am meisten bewegt und begeistert haben, weil es halt Abenteuergeschichten waren. In der Jugendbibliothek in Gelsenkirchen habe ich mich dann systematisch durchgelesen, bis wir von da weggezogen sind und das waren auch überwiegend Geschichten über die USA mit den Indianerkämpfen, das fand ich total spannend, natürlich aber auch Piraten- und Entdeckerbücher. Also alles was mit Abenteuern und Reisen zu tun hatte, das war, was ich für mein Leben gern gelesen habe.

Und haben diese Bücher Ihr Buchgenre und wie Sie schreiben beeinflusst?

(lacht) Gute Frage! Ich glaube schon, es waren auch Stories, die sehr handlungsgetrieben waren. Heute ist es natürlich schon sehr langwierig und langweilig, Karl May zu lesen.

Ich habe mir nochmal 40, 50 Bände von ihm bestellt vor ein paar Jahren – da wiederholt sich schon unheimlich viel. Aber dass es spannend sein sollte, dass es eine gute Geschichte sein und den Leser möglichst mit reinziehen sollte, das ist eigentlich geblieben, das möchte ich schon. Es sollte also nicht so distanziert sein, dass man da sitzt und sagt „Hm, kann man lesen“, sondern schon, dass man das Gefühl hat „Wie geht’s weiter?“. Das versuche ich immer wieder – das gelingt mir nicht immer, das weiß ich.

8. Sie sagten vorhin, Ken Follett wäre für Sie gar nichts mehr. Wer sind heute stattdessen Ihre Lieblingsautoren?

Heute ist mein absoluter All-Time-Favorite unter den Autoren George Simenon, nicht nur mit seinen Maigret-Romanen, sondern auch mit seinen anderen, der ist für mich das absolute nonplusultra. Ich kenne keinen Autor, der mit so wenigen Worte solch eine Stimmung und Atmosphäre schaffen kann und so gute Charaktere mit wenigen Sätzen beschreibt, ohne ins Detail zu gehen. Er ist also ganz oben auf der Liste, aber wen ich auch noch sehr gerne mag ist Haruki Murakami. Er ist ein japanischer Autor mit „Kafka am Strand“ als bekanntestes Buch – auch wenn ich das letzte von ihm nicht so toll fand, da hat er sich auf 1500 Seiten meiner Meinung nach etwas verrannt. Aber er schreibt von der Formulierung her ganz toll und was ich bei ihm sehr gut finde, ist, dass er die Genres total mischt. Das heißt, er ist ja angesiedelt im Bereich der ernsthaften Literatur, aber trotzdem mit Thriller- und SciFi-Elementen, also schert er sich nicht darum, dass es da irgendwelche Grenzen geben soll, sondern macht es so, wie er es für richtig hält.

Bei den deutschen Autoren habe ich vor kurzer Zeit Jan Koneffke für mich entdeckt, den die wenigsten kennen: Wunderbare Sprache und Ausdrucksweise. Und dann gibt es bei den Deutschen natürlich noch die Klassiker: Remarque, Fallada – die finde ich auch ganz toll, also die etwas weniger angepassten deutschen Autoren, aber mit Thomas Mann kann ich nicht so viel anfangen.

9. Jungen und Lesen – zwei Welten prallen aufeinander, so wird es häufig in den Medien dargestellt. Ich selbst erfülle dieses Klischee nicht unbedingt, da ich sehr viel und gerne lese. Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass viele Jungs vom deutschen Büchermarkt abgeschreckt werden – gerade von den Covern.

Ja, das ist beim „Assassino“ leider auch so. Ich habe mir schon gedacht, dass das Buch jetzt im Laden nicht unbedingt einen Jungen anspricht, oder was würdest du sagen?

Doch, mich spricht es schon deutlich mehr an als Glitzeraugen, Feenstaub und rosa lackierte Fingernägel – es gibt da schon viel schlimmeres. „Assassino“ ist da ja schon fast auffallend unauffällig und dezent – und der Titel zeigt glaube ich nicht gerade ein Mädchenthema an 😉

Ansonsten fällt mir an Ihren Büchern sehr positiv auf, dass sie sowohl inhaltlich als auch vom Cover her Jungen und Mädchen gleichermaßen ansprechen können. Welches Buch (von Ihnen oder auch einem anderen Autor) würden Sie einem vierzehnjährigen männlichen Lesemuffel schenken und warum?

Hm, dazu hab ich mir schon etwas überlegt, als du mir das Interview schon einmal zur Vorbereitung geschickt hast, das ist nämlich gar nicht so einfach. Auch die 14-jährigen Lesemuffel sind ja nicht alle gleich von ihren Interessen her. Wenn einer sagt, ich möchte nichts langweiliges, sondern mehr Action und dass auch etwas hoch hergeht, dann empfehle ich ihm von Patrick Ness die „New World“-Trilogie, die ist teilweise ziemlich brutal. Es geht um einen Jungen und ein Mädchen, die auf einem fremden Planeten gestrandet sind und der Junge flieht aus seinem Dorf, weil alle Frauen von den Männern umgebracht worden sind. Es ist ziemlich hart erzählt, aber eine ganz tolle Geschichte, immer aus wechselnder Perspektive. Dies würde ich auf alle Fälle jemandem empfehlen, der denkt, Bücher sind langweilig, weil es sehr kurz und dialoglastig geschrieben ist. Ansonsten weiterempfehlen für jemanden, der es nicht ganz so hart mag, von Scott Westerfeld die „Leviathan“-Trilogie, die etwas in die Richtung von Cyberpunk geht, Trotzdem ist sie auch eine ganz tolle Geschichte mit unterschiedlichen Locations und Kämpfen mit irren Maschinen, die eine ganz wichtige Rolle spielen. Also auch total spannende Bücher. Für jemanden, der es etwas nachdenklicher mag, kann ich „Eine wie Alaska“ von John Green empfehlen, weil es sich einfach sehr stark mit Problemen des Aufwachsens auseinandersetzt, ohne dass es auch für den männlichen Leser langweilig ist. Kennst du etwas von denen?

Ja, von Scott Westerfeld liegt auf meinem Stapel ungelesener Bücher die Uglies-Trilogie.

Ah, das ist der Vorgänger von dem „Leviathan“.

Genau. Und von John Green kenne ich „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“.

(schmunzelt) Wobei ich finde, das ist sein schlechtestes Buch. Interessanterweise gibt es auf Amazon einige Leute, die genau das selbe schreiben und sagen, er ist wirklich ein toller Autor und das Buch ist auch gut geschrieben, aber verglichen mit „An Abundance of Katherines“ oder „Eine wie Alaska“ ist es deutlicher schwächer, wie ich finde.

Dafür hat mir seine Mitproduktion mit David Levithan, „Will & Will“ nicht ganz so gut gefallen.

Naja, das ist das einzige Buch von ihm, das ich nicht kenne.

„Setz dich mit mir auseinander, denk über mich nach und vergiss mich nicht wieder nach diesem Kapitel“

10. Und jetzt die letzte Frage: Welches Stadium beim Schreiben und Veröffentlichen eines Buches ist für Sie am aufregendsten?

Definitiv das Schreiben. Was ich gleich auch bei der Lesung erzählen werde: Man fragt mich eigentlich bei jedem Buch, welche Charakter ich in meinen Büchern am liebsten mag. Und das sind eigentlich die Nebencharaktere. Das liegt daran, das zum Beispiel beim „Assassino“ im dritten Kapitel eine Person aufgetaucht ist, die überhaupt nicht geplant war. Die hat sich beim Schreiben so eingeschlichen und sich dann immer mehr breitgemacht, bis sie, völlig ungeplant, eine tragende Rolle hatte. Und das ist für mich einfach dieses Faszinierende und Spannende, wenn man sitzt und denkt, dass man weiß, was man schreibt. Dann kommt so ein Satz, und noch einer und noch einer, und dann ist da etwas entstanden, was so eine Art Eigenleben entwickelt und vom Autor fordert: „Setze dich mit mir auseinander, denk über mich nach und vergiss mich nicht wieder nach diesem Kapitel“ und das finde ich unheimlich spannend, wie ich mich selber im Grunde genommen damit überraschen kann – irgendjemand hat mal gesagt, das Schreiben ist insofern ganz toll, wenn man morgens vor dem leeren Blatt sitzt, auf dem nichts ist, und aus dem Nichts schafft man etwas – und das gilt bei solchen Figuren ganz besonders. Deswegen ist das beim Schreiben schon das Schönste. Das Buch hinterher in der Hand zu haben – naja, ich bin mit den Gedanken ja schon wieder beim Nächsten. Das ist dann nur noch so „Ja, sieht schön aus, gut“. Dann geht es ja schon wieder weiter. Also ist das Schreiben an sich für mich das Spannendste, aber natürlich auch das Anstrengendste.

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für meine Fragen genommen haben, das war ein sehr interessantes Interview!

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Kommentare
  1. Dani sagt:

    Ein wirklich tolles interview! Ich fand sowohl Fragen als ach Antworten sehr spannend. „Rebellen der Ewigkeit“ ist übrigens bisher mein Lieblingsbuch von Gerd Ruebenstrunk. Und zum Thema John Green muss ich sagen, dass mir „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ sehr viel besser gefallen hat als „Eine wie Alaska“. Aber vielleicht ist das wieder so ein Männer-Frauen-Ding 😉 Letzteres fand ich so distanziert!

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