Neal Shusterman – Unwholly (Unwind-Trilogy)

Veröffentlicht: Februar 27, 2013 in 4 Sterne - Lesenswert, Abenteuer, Dystopie, Englisch, Freundschaft, Gewalt, Philosophie, Psychologie, Rezensionen, Thriller
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Unwholly setzt die Geschichte von Connor, Risa und Lev fort, die in Unwind (Vollendet) ihren Anfang genommen hat. Die Gesellschaft, in der die drei Teenager aufgewachsen sind, ist unvorstellbar grausam. Jugendliche, deren Eltern nicht mehr mit ihnen klarkommen, weil sie Alkohol trinken, Drogen nehmen, kriminell geworden sind oder einfach nur aufmüpfig und lästig sind, können von den Eltern einfach „entsorgt“ werden. Den Eltern wird suggeriert, dass sie damit der Gesellschaft einen großen Dienst erweisen, da die Jugendlichen nun extrem nützlich sind. Ab dem Alter von dreizehn können Teenager nachträglich abgetrieben werden, das heißt, sie stehen wertvollen und zahlungskräftigen Mitgliedern der Gesellschaft als lebende Organspender zur Verfügung – und zwar buchstäblich mit Haut und Haaren…

Connor, Risa und Lev konnten diesem Schicksal im ersten Band der Trilogie entkommen und sind untergetaucht. Zwar haben sie mit der von ihnen angezettelten Revolte die Bevölkerung auf die Ungerechtigkeit der Zwangsorganspenden aufmerksam gemacht, doch wo bleibt die Moral, wenn starke politische und wirtschaftliche Interessen wichtiger sind?

Die drei versuchen, mit ihren Untergrundaktivitäten anderen Jugendlichen das Schicksal der Zwangsorganspende zu ersparen, Connor ist sogar Anführer in einem Flüchtlingscamp geworden. Ihre Bemühungen sind aber sehr frustrierend, da einerseits Machtkämpfe und Eifersucht das Leben im Camp schwer machen und andererseits die Befürworter des Organhandels scheinbar übermächtig sind. Wie können sie andere führen und ihnen helfen, wenn sie selbst noch Teenager sind? 

Neal Shusterman treibt in diesem Mittelband der Unwind-Trilogie die Handlung nicht mit Macht voran. Er führt einige neue Charaktere ein, wobei Cam, ein Junge wie Frankenstein, der aus „dem Besten“ von vielen Jugendlichen zusammengefügt worden ist, die deutlich interessanteste Person ist. Im wesentlichen lässt der Autor den Leser ganz tief in den Schrecken dieser Gesellschaft eintauchen und beschreibt sowohl die Befürworter und Nutznießer des Organhandels als auch die, die davon verfolgt werden.

Shustermans Beschreibung seiner dystopischen Gesellschaft an sich ist extrem erschreckend und gruselig. Was mich jedoch fast noch mehr aufgeschreckt hat, sind vom Autor immer wieder eingestreute Weblinks zu Zeitschriftenartikeln. Wer sich die Mühe macht, nach diesen Artikeln im Internet zu suchen, wird erstaunt feststellen, dass viele davon tatsächlich in den letzten Jahren in Zeitschriften erschienen, also nicht fiktiv sind. Dort geht es unter anderem um Euthanasie, Organspende und -handel sowie die Dämonisierung männlicher Teenager. Natürlich ist die Gesellschaft der Unwind-Trilogie übertrieben drastisch dargestellt, wirft aber auf jeden Fall viele ethische Fragen auf, die auch unsere Gesellschaft betreffen.

Mich hat die Hintergrundidee dieser Dystopie auch diesmal wieder gefesselt, obwohl man nicht unbedingt von einer actiongeladenen Geschichte sprechen kann. Unwholly wird wie schon Unwind aus der Perspektive von verschiedenen Personen erzählt, so dass man sich aus vielen verschiedenen Sichtweisen sein eigenes Gesamtbild schaffen kann. Das Buch überzeugt mit einem befriedigenden Abschluss, der aber trotzdem sehr neugierig auf den letzten Band der Geschichte macht.

Für die Idee, die hinter der Geschichte steckt, vergebe ich die volle Punktzahl, für das Vorantreiben der Handlung nur drei bis vier, insgesamt aber auf jeden Fall eine klare Leseempfehlung – 4 Sterne!

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