Sophie D. Crockett: Nach dem Schnee

Veröffentlicht: Dezember 24, 2012 in 4 Sterne - Lesenswert, Abenteuer, Dystopie, Freundschaft, Gewalt, Natur, Rezensionen, Thriller, Umwelt
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Wir müssen Leuchttürme der Hoffnung sein. Wenn nicht wir, wer dann?
Willo in NACH DEM SCHNEE von Sophie D. Crockett

Die Welt in (vielleicht) nicht allzu ferner Zukunft – bedingt durch die globale Erderwärmung sind die Polkappen geschmolzen und haben durch das Schmelzwasser den Golfstrom zum erliegen gebracht. Die Folge: in Europa ist eine neue Eiszeit ausgebrochen, in der Industrialisierung, extensive Landwirtschaft, Autos für alle, elektrischer Strom und fließendes Wasser im Haus nur noch in den Geschichtsbüchern und Erzählungen der Erwachsenen vorkommen.

In dieser Zeit wächst der fünfzehnjährige Willo mit seinem Vater, seiner Stiefmutter und seinen kleinen Zwillingsgeschwistern als illegaler Wanderer in einem einsamen Haus weit außerhalb der Stadt in den Bergen auf. Den mehr als kargen Lebensunterhalt verdient sich die Familie durch Jagd und Verkauf der Felle. Willo ist ziemlich schlicht gestrickt, wie es scheint eine kleine Enttäuschung für seinen Vater, der in ihm gerne eine Hoffnung für die Zukunft, einen Anführer, gesehen hätte. Doch Willo hat auch seine Talente, denn er ist ein ausgezeichneter Jäger und ist sehr geschickt bei der Verarbeitung der Felle.

Als Willo eines Tages von der Jagd nach Hause zurückkommt, ist seine Familie verschwunden, lediglich ein paar LKW-Reifenspuren lassen ihn ahnen, dass sie nicht freiwillig gegangen sein dürften. Schon am nächsten Tag macht er sich in Schnee und Eiseskälte auf die Suche, um seine Eltern wieder zu finden. Dabei trifft er auf zwei Kinder, deren Eltern ebenfalls verschwunden sind. Obwohl ihm seine Instinkte raten, sich nicht einzumischen, da dadurch sein eigenes Überleben in Gefahr geraten könnte, versucht er zu helfen. Zumindest Mary, eins der beiden Kinder, kann er retten und gemeinsam machen sie sich auf den weiteren Weg, bedroht von hungrigen streunenden Hunden, habgierigen und grausamen Menschen, bitterer Kälte und Hunger. Gibt es für Willo und Mary die Hoffnung auf eine bessere Zukunft?

NACH DEM SCHNEE hat bei mir sehr zwiespältige Gefühle hinterlassen, zu unterschiedlich waren einzelne Teile des Buches, als dass ich ein uneingeschränktes „toll“ oder auch „naja“ als Kritik abgeben könnte. Ein Teil des Thrillers kommt als postapokalyptischer Überlebenskampf in Schnee und Eiseskälte daher, während das Buch im Lauf der Erzählung mehr zu einer Dystopie wird, als Willo und Mary in der Stadt ankommen und dort mit einer grausamen Regierung, Bandenkriegen und Korruption konfrontiert werden.

Die Autorin erzählt aus der Perspektive von Willo, dessen gewöhnungsbedürftige Sprache mich an Saba aus DUSTLANDS erinnert hat, die wie Willo halb verwildert irgendwo im einsamen Nirgendwo aufgewachsen ist. Willo hat in seinen meisten Handlungen glaubhaft auf mich gewirkt, auch wenn er manchmal etwas schräg herüber kommt, etwa wenn er sich vom Geist eines toten Hundes beeinflussen lässt.

Alles in allem hat mir dieser Eiszeit-Thriller trotz einiger Längen und Logiklöcher gut gefallen. Die Idee einer neuen Eiszeit und der unterschiedliche Umgang der Menschen mit diesen lebensfeindlichen Umständen ist denke ich nicht allzu weit hergeholt. Der Titel des Buches passt meiner Meinung nach weniger zum eigentlichen Inhalt, sondern mehr zu einer möglichen Hoffnung auf eine bessere Zukunft nach dem Schnee. Für mich ist NACH DEM SCHNEE nicht DER perfekte Postapokalypse-Thriller oder DIE perfekte Dystopie, aber doch ein gut lesbarer und empfehlenswerter Lesestoff (nicht nur) für den Winter – vier Sterne.

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