Birgit Vanderbeke: Das Muschelessen

Veröffentlicht: Dezember 1, 2012 in 3 Sterne - Ganz O.K., Familie
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Ganz normal sein – das erwartet der Vater einer ehemaligen Flüchtlingsfamilie von seiner Ehefrau und seinen Kindern und setzt seinen Willen immer autoritär durch, unterdrückt sie. Denn unter normal versteht er oft etwas anderes als andere Menschen. So sieht er so wenig Privatsphäre wie möglich und ein ständiges gegenseitiges Verpetzen der Familienmitglieder bei ihm vor.

Träumend von mehr wirklicher Normalität, lehnt sich der Rest der Familie gegen ihn auf. Während sie am gedeckten Tisch mit seiner Lieblingsspeise – Muscheln – auf seine Rückkehr von einer wichtigen Dienstreise warten, die sich immer weiter verspätet, lästern sie immer mehr über die Gemeinheiten des Vaters und die Illusion der Familienharmonie zerbricht.

Ich musste „Das Muschelessen“ als Lektüre im Deutschunterricht lesen, scheinbar ist es auch sehr beliebt dafür. Verstehen kann ich das aber ehrlich gesagt nicht wirklich, weil dieses Buch gerade für Wenig-Leser wahrscheinlich eher vom Lesen abschrecken als dazu ermutigen wird: Die Sätze gehen teilweise über mehrere Seiten des Buchs und sind oft mehrmals verschachtelt, sodass man sie manchmal wirklich mehrmals lesen muss, um sie zu verstehen. Was noch dazu kommt, ist, dass die Autorin sehr oft zwischen den Zeiten und Geschehnissen, also den Erinnerungen der Erzählerin (der Tochter), hin- und herwechselt. Dadurch wird die Erzählung etwas chaotisch.

Der Leser erfährt zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Namen der Figuren, noch nicht einmal der Erzählerin. Auch insgesamt werden sie sehr wenig äußerlich beschrieben, sodass Umschreibungen sehr oft wiederholt werden, was dann irgendwann etwas langweilig wird.

Ich möchte das Buch jetzt aber trotzdem nicht komplett verreißen. Durch die vielen erzählten Erinnerungen der Tochter wird jede Figur sehr stark charakterisiert und der Leser erhält ein detailliertes Bild über ihre Verhaltensweisen und ihre Stellung in der Familie. Dadurch werden immer unterschiedliche Perspektiven ausgeleuchtet (auch wenn sie nur von der Tochter beschrieben werden), sodass man sich beim Lesen eine eigene Meinung bilden kann, ohne von der Meinung der Tochter beeinflusst zu werden. Das bedeutet, dass der Kontrast zu einer „normalen Familie“, wenn man sich wieder in die Erzählerin hineinversetzt, umso größer wird, weil auch sie einen großen Abstand zu ihrem Vater sucht. Deswegen laufen die Schlussfolgerungen aus den „Kurzgeschichten“ immer aufs Gleiche hinaus: Der Vater dieser Familie ist wie ein Diktator. Trotz allem werden hier keine Klischees und Rollenverteilungen ausgenutzt, sondern die Tochter sagt sogar mehrmals, dass es schließlich in anderen Familien ganz anders aussieht.

Dass die Autorin ein komplett offenes Ende lässt, kann man positiv oder negativ sehen. Mir persönlich hat das nicht so gefallen, weil dadurch eigentlich die ganze Geschichte davor umsonst war.

Zusammenfassung:

Sprache und Schreibstil eher so naja, aber dafür konnte der Inhalt schon mehr überzeugen. Das offene Ende ist Geschmackssache

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Kommentare
  1. Elisa sagt:

    So… die Klasur habe ich vor ca. einer Stunde geschrieben und grundsätzlich war sie einfach 😉 Wir sollten das ideale Familienbild des Vaters beschreiben, dann noch inwieweit es erfüllt/nicht erfüllt wird und einen Brief, bei dem wir uns aussuchen konnten von welchem Charakter er geschrieben wird. Allerdings hat 80% der Klasse bis zur letzten Minute geschrieben, da es unglaublich viel zu schreiben war und ich bezweifel, dass es jemanden mit weniger als 500 Wörtern gab :/ Ich bin nicht ganz fertig geworden also mal scheuen wie viel Punkte das werden.

    • readeralex sagt:

      Ok, das hört sich ja eigentlich ganz gut an. Aber in Bezug auf Methoden haben wir noch nichts gemacht, also weiß meine Deutschlehrerin glaube ich selber nicht so richtig, was sie in der Klausur machen wird 😉 Ich bin gespannt 😀

  2. Elisa sagt:

    Oh Gott xD WIr sind mit der Klasse gerade mal auf Seite 49 und ich find es so schrecklich ;D
    Ich finde den Satzbau und Schreibstil kann man ja noch als Stilmittel sehen, aber das Buch ist so langweilig und wenn ich jetzt lese das es ein offenes Ende hat, will ich echt nicht weiterlesen -.- Und nächste Woche schreiben wir eine Klausur drüber :/

    Liebe Grüße
    Elisa (:

    • readeralex sagt:

      Sonderlich spannend fand ich das Buch auch nicht, aber das ist doch schon irgendwie eine Vorbestimmung bei einer Schullektüre ;D Außerdem kaufen sich das ja vielleicht auch Leute freiwillig (?) und da wollte ich es nicht sooo schlecht machen für die die sich dafür interessieren.
      Das muss ja der Horror sein, wenn ihr das im Unterricht lest! Ich konnte es zum Glück an einem freien Nachmittag durchlesen und dann hatte ich es hinter mir. Nach kleinen Pausen war es für mich schon schwer genug wieder reinzukommen :O
      Sag mir dann bitte Bescheid, wie die Klausur war, ich bin auch in gut zwei Wochen dran :/
      LG
      Alex

      • Elisa sagt:

        Es ist auch total der Horror 😀 Ohne die Millionen Klebezettelchen wüsste ich nicht mehr, wass die Tochter über was redet. Mal gehts um Briefmarken, dann wirft der Vater sie als Baby gegen die Wand… o_O
        Klar sag ich dir Bescheid 😀

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