John Green, David Levithan: Will Grayson Will Grayson

Veröffentlicht: September 16, 2012 in 3 Sterne - Ganz O.K., Englisch, Freundschaft, Humor, Meine Bewertungen, Rezensionen, Schule
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Nachdem ich schon mehrfach sehr positive Rezensionen über John Greens Romane gelesen habe, bin ich neugierig geworden und habe bei WILL GRAYSON WILL GRAYSON zugegriffen, das Green gemeinsam mit seinem Autorenkollegen David Levithan geschrieben hat.

Was genau mich beim Klappentext angesprochen hat, kann ich rückblickend betrachtet gar nicht mehr sagen. Kurz zusammengefasst geht es um zwei 16jährige Jugendliche aus Chicago, die zwar denselben Namen haben, nämlich Will Grayson, sich aber nicht kennen. Durch einen Zufall kreuzen sich eines abends ihre Wege an einem ziemlich schrägen Ort in Chicago, woraufhin ihr Leben jeweils in eine andere Richtung verläuft. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive eines der Will Graysons geschrieben, wobei jeder Autor nur für einen Will zuständig ist. Heimliche, obwohl reichlich auffällige, Hauptperson ist meiner Meinung nach jedoch Tiny Cooper, der nach dem zufälligen Treffen der beiden Wills das Bindeglied zwischen ihnen ist.

Ich habe einige Anläufe gebraucht, um dieses Buch zu Ende zu bekommen. Schließlich habe ich es mir als Hörbuch von den Sprechern MacLeod Andrews und Nick Podehl vorlesen lassen, die ihren Job wirklich gut gemacht haben. Die Gründe für meine Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzukommen, waren einerseits, dass nicht wirklich viel passiert und andererseits, dass ich keinen der Charaktere sonderlich sympathisch fand. Wills und Wills Leben ist relativ normal langweilig. Beide bleiben sehr blass. Der eine Will ist heterosexuell, sein Lebensmotto: Klappe halten und bloß nicht auffallen. Der andere Will ist homosexuell, depressiv und „seine große Liebe“ kennt er nur im virtuellen Chatroom. Beide Wills haben eigentlich nicht wirklich ein soziales Leben, es sei denn, sie treffen auf Tiny.

Tiny Cooper ist alles andere als langweilig. Natürlich ist er nicht „tiny“, also winzig, sondern im Gegenteil ein Riese mit deutlichen Gewichtsproblemen. Tiny ist extrovertiert, laut, outet sich sehr offensiv als homosexuell, reißt in jeder Lebenslage die Führung an sich, ist eine Drama-Queen, verliebt sich quasi jeden Tag in jemand anderen, wird verlassen und verliebt sich neu, verkuppelt gerne die Leute aus seinem Freundeskreis und schreibt an einem Musical, das sich im Grunde um ihn dreht. Was den beiden „Hauptfiguren“ an Farbe fehlt, hat Tiny deutlich im Überfluss und genau das war mein Problem. Er hat die anderen einfach erdrückt.

Im Grunde geht es in Will Grayson Will Grayson um alltägliches Leben von Jugendlichen mit Schule, Ausgehen, Freundschaft,Verlieben, Liebeskummer, Altersgrenzen durch Fälschen des Ausweises umgehen (auch wenn’s nicht immer funktioniert ;-)) und auch den Mut zu sich selbst und seinen Freunden zu stehen. So weit, so gut – in der Umsetzung fand ich jedoch vieles zu sehr vorhersehbar und außerdem ganz tief aus der Klischee-Kiste geholt. Tinys Charakter ist meiner Meinung nach so sehr überzeichnet, dass er schon fast als Karikatur durchgehen könnte. Und der Schluss des Romans hat vor Kitsch getrieft …

So, fertig mit dem Verriss. Es gab auch ein paar Punkte, die mir gefallen haben. Die Sprecher des Hörbuchs waren toll, voller Dynamik und haben sogar die Musical-Teile gar nicht mal so schlecht gesungen!! Der sarkastische Wortwitz und die Situationskomik haben mich an manchen Stellen laut lachen lassen. Gut gelungen fand ich auch den Ansatz, die beiden Will-Charaktere durch unterschiedliche Autoren zu beschreiben.

Unterm Strich kann ich leider nicht mehr als 3 Sterne – ganz o.k. – für WILL GRAYSON WILL GRAYSON vergeben. Obwohl ich als männlicher Jugendlicher altersmäßig in etwa zu den Hauptfiguren passen würde, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, zur Zielgruppe dieses Romans zu gehören.

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Kommentare
  1. Dani sagt:

    Ich habe mich, wie du, auch ein bisschen schwer getan mit dem Buch. Aber wenn du etwas wirklich Gutes von John Green lesen möchtest, dann solltest du es unbedingt mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ bzw. „The Fault in Our Stars“ versuchen. Bisher das absolut Beste, was ich in diesem Jahr gelesen habe. Am Freitag war ich auch auf einer Lesung mit dem Autor und er ist wirklich großartig.

    • readeralex sagt:

      Puh,stehe ich also doch nicht ganz allein mit meiner Meinung. OK, wenn für dich das Buch auch nicht gerade eine Punktlandung war 😉 und du trotzdem „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ empfiehlst, werde ich mich bei Gelegenheit mal heranwagen. Die kostengünstigere Sprachversion wird das Rennen machen…

      • Dani sagt:

        Ich finde, es ist mit Abstand sein bestes Buch! Vermutlich wird die englische Ausgabe günstiger sein, aber in diesem Fall ist auch die Übersetzung gelungen. Ich hatte ja erst befürchtet, dass der Wortwitz manchmal nicht so richtig rüberkommt, aber da scheint eine gute Übersetzerin am Werk gewesen zu sein 😉

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