Cover

Verlag: Fischer FJB
Seiten: 352
ISBN: 978-3-8414-2133-3

Shelley und ihre Mutter sind wie kleine Mäuse: friedlich, schüchtern und immer unterlegen.

Shelley wird in der Schule aufs Übelste gemobbt; es geht sogar so weit, dass ihr Gesicht angezündet wird. Ihre Mutter hat immer größeren Stress sowohl in der Arbeit als auch im Privatleben, bis sie sich von ihrem fremdgegangenen Mann trennt.

Beide huschen von einem Versteck zum nächsten und so kommt es, dass die beiden in ein abgelegenes Haus auf dem Land ziehen und Shelley zu Hause unterrichtet wird, damit sie endlich ihren Frieden bekommen. Das gelingt ihnen auch in den ersten Wochen und die Wunden ihrer schrecklichen Erlebnisse beginnen langsam zu heilen.

Doch auch hier will ihnen die Ruhe nicht gegönnt sein, denn in der Nacht zu Shelleys 16. Geburtstag bricht ein fremder Mann in ihr Haus ein und verlangt Geld – Geld, dass ihre Mutter sich mühsam von ihrem sehr ungerechten kümmerlichen Gehalt zusammengespart hat.

Durch diesen Einbruch steigt Shelley jetzt endgültig alles über den Kopf und sie verliert völlig die Fassung. Sie spielt nicht mehr mit ihrer Opferrolle mit, sondern wird zum Täter – einer Tat, die sie sich niemals zugetraut hätte: Mord…

Erstmal finde ich, dass „Mucksmäuschentot“ so gut wie gar nichts mit den auf der Rückseite aufgeführten Büchern „Tote Mädchen lügen nicht“ und „Nichts“ gemeinsam hat und alle drei völlig unterschiedliche Geschichten haben. Wie man zu diesem Vergleich kommt, kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht verstehen.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, weil es nicht, wie oft bei Thrillern, unglaubwürdig und übertrieben wirkte, sondern sehr realistisch. Das Buch enthält zwar recht detaillierte blutige Szenen, die aber überhaupt nicht Gewalt-weil-die-da-jetzt-hin-muss-artig aufgebaut sind, sondern sogar zur Geschichte beitragen.

Man könnte wegen Shelleys Aussehen und Charakter meinen, dass der Autor einmal tief in die Klischee-Kiste für Außenseiter gegriffen hat (etwas pummelig, Beste aus der Klasse, zieht sich nicht wie der Rest der Mädchen an usw.). Meiner Meinung nach passt das aber sehr gut hierhin, da es nicht wie oft als kleine Macke bezeichnet wird, über die man hinweg sehen kann, sondern etwas, wofür sie schlimm gemobbt und genervt wird. Außerdem unterscheidet sich Shelley dafür von anderen Außenseitercharakteren, indem sie sich nicht den ganzen Tag selbst bemitleidet, sondern einfach alles hinnimmt, wie es ist.

Auch gut gefallen hat mir, dass gleich zu Anfang ein schneller Lesefluss entstanden ist, da es nie zu langatmig wird und Shelley und ihre Mutter (und auch der Leser) immer in der Ungewissheit bleiben, ob sie auffliegen. Selbst zum Schluss kommt noch eine überraschende Wendung der Geschichte, die auch zu einem anderen Ende führen kann als erwartet. Deswegen habe ich das Buch an einem Tag verschlungen ;-).

SPOILER: (Absatz markieren, um zu lesen)
Dazu muss ich sagen, dass am Ende der Geschichte keine Moral auf den Leser wartet, im Gegenteil: Es zeigt, dass Mörder nicht immer erwischt werden, sondern auch mal ungeschoren davon kommen. Deswegen entsteht NICHT der Eindruck, dass zwar auch Opfer potentielle Täter sein können, aber letztendlich auch diese aus Gerechtigkeit bestraft werden usw.SPOILER ENDE

Also: Dringende Empfehlung für Fans von realistischen Thrillern und 5 Sterne!

PS: Vielen Dank an Dani von www.buchbegegnungen.de und den Fischer Verlag, die mir das Buch im Rahmen der Jugendbuch-Challenge 2012 als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Auch wenn ich das Buch geschenkt bekommen habe, hat das meine Bewertung nicht beeinflusst, sondern spiegelt aussschließlich meine unvoreingenommene persönliche Einschätzung wider.

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