Alexander Gordon Smith: Furnace 1 Lockdown

Veröffentlicht: Juni 3, 2012 in 4 Sterne - Lesenswert, Freundschaft, Gewalt, Grusel, Kriminalität, Rezensionen, Thriller
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Bis zu seinem zwölften Lebensjahr ist Alex ein ziemlich normaler Junge. Er lebt in einem heruntergekommenen Stadtviertel, in dem jeder irgendwie gerne ein Gangster sein möchte. In jeder Pause wird aus dem Spielplatz ein Schlachtfeld, auf dem die Kämpfe zwischen den einzelnen Gruppen um Spielgeräte, begehrte Ecken auf dem Schulhof oder einfach nur um des Streits willen meistens mit Worten, hin und wieder jedoch auch mit den Fäusten ausgetragen werden. Zu diesem Zeitpunkt hat Alex sich in seiner ganzen Schullaufbahn noch nicht einmal geprügelt, allein schon der Gedanke daran gibt ihm ein flaues Gefühl im Magen.

Alles ändert sich für ihn eines Tages mit einer Kleinigkeit und für ihn beginnt, wie er später sehen wird, im wahrsten Sinne des Wortes der Weg in den Abgrund. An jenem Tag sieht Alex dabei zu, wie seine Freunde Toby und Brandon einen jüngeren Schüler zunächst beschimpfen, dann herum schubsen und schließlich zusammenschlagen. Anstatt wegzugehen oder gar einzuschreiten, lässt er sich von Brandon die Geldbörse des Kleinen zuwerfen und nimmt das Geld heraus. Dieser erste erfolgreiche Schritt in die Kriminalität lässt Alex von Tag zu Tag einen weiteren Schritt machen. Er wird zum Schrecken des Schulhofs, mobbt seine Mitschüler, bedroht sie und zieht sie ab. Als Toby dann noch vorschlägt, dass man doch auch in ein Haus einbrechen und ausrauben könnte, macht Brandon einen Rückzieher – Alex jedoch nicht; er ist zu gierig geworden. Immer wieder brechen von da an Toby und Alex erfolgreich in Häuser ein bis sie eines Tages in einen Hinterhalt geraten. Als sie nach einem Tipp in ein vermeintlich leerstehendes, lohnenswertes Haus einbrechen, werden die beiden Jungen schon erwartet. Toby wird erschossen und alle Indizien werden so manipuliert, dass der Mord an seinem Freund Alex in die Schuhe geschoben wird.

Trotz aller Unschuldsbeteuerungen glaubt niemand Alex, weder seine Familie noch Tobys Eltern. Richter und Geschworene schicken Alex lebenslänglich ohne Recht auf Begnadigung in DAS Vorzeigejugendgefängnis des Landes. Alex landet in Furnace, einem unterirdischen Gefängnis, meilenweit tief unter der Erde in Felsen gehauen – ohne jegliches Tageslicht, ohne Frischluft und ohne jede Hoffnung, jemals wieder den blauen Himmel zu sehen oder Regen auf der Haut zu spüren.

Furnace ist kein Jugendponyhof, es ist kein Gefängnis – es ist die Hölle. Hier herrschen harte Gesetze, Gangs tyrannisieren die Mithäftlinge und alle müsse hart arbeiten. Das Essen ist ein immer gleicher Brei aus wahllos zusammengeworfenen Lebensmittelabfällen. Sirenen ertönen mitten am Tag und wer dann nicht schnellstmöglich zurück in seine Zelle zurück läuft, wird ausgesperrt. Dann kommen blutrünstige Monsterhunde, die alles in Stücke reißen… Nachts herrscht die Angst, von Wächtern aus der Zelle gezerrt zu werden und auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

In diesem Albtraumszenario findet Alex Freunde und trotz allen Horrors und aller Brutalität blitzen hin und wieder Momente von Spaß, Lebensfreude und schwarzem Humor auf. Noch haben sie sich nicht aufgegeben und hoffen, einen Weg aus diesem tyrannischen und unmenschlichen Gefängnis zu finden. Die Frage ist jedoch nicht nur, wie man entkommen könnte, sondern auch, wie man möglichst lange überleben kann, um überhaupt einen Versuch zu starten. Außerdem ist ihnen klar, dass der Tod bei einem misslungenen Fluchtversuch noch eine Gnade wäre.

Alexander Gordon Smith hat ein absolutes Horrorgefängnis geschaffen. Man kann gut nachvollziehen, dass die jugendlichen Straftäter, obwohl sie vermeintlich „harte Kerle“ sind, nachts im Schlaf schreien, weinen und sich vorlauter Panik übergeben. Die Spannung lässt im Laufe des Buches kaum einen Moment nach, immer wieder ist Alex unvorstellbaren Situationen ausgesetzt. Auch die persönliche Entwicklung von Alex ist sehr interessant. Aus dem rücksichtslosen ***** wird ein Jugendlicher, der sich in andere nicht nur hinein versetzen kann, sondern ihnen sogar hilft, obwohl er damit sogar sein Leben riskiert. Trotz seiner schier aussichtslosen Situation gibt er nicht auf und wenn er doch ganz am Tiefpunkt angelangt ist, helfen ihm seine Freunde wieder nach vorne zu schauen.

Dieser Auftakt einer Serie ist ein sehr spannender Jugendthriller. Einige offene Fragen, wie zum Beispiel wer hinter diesem Gefängnis steckt, beziehungsweise wie und warum die monströsen Hunde und Wächter entstehen, haben mich ebenso etwas gestört wie der scheinbar mittlerweile zwingend notwendige Cliffhanger am Ende des Buches. Deshalb gibt es von mir einen Punkt Abzug – 4 Sterne.

Im Moment gibt es die Serie leider nur auf Englisch, ich weiß auch nicht, ob eine Übersetzung ins Deutsche geplant ist. Mit einigen Jahren Schulenglisch ist das Buch jedoch leicht zu lesen. Für Leser, denen auch James Dashners Maze-Runner Trilogie (deutsch: Die Auserwählten) gefallen hat, auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung. Ich freue mich schon darauf, wie die Geschichte weitergeht.

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