Tobias Elsäßer: Für niemand

Veröffentlicht: März 5, 2012 in 3 Sterne - Ganz O.K., Familie, Freundschaft, Psychologie
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Tobias Elsäßers Buch „Für niemand“ dreht sich um das Thema Suizid. Er erzählt die Geschichte von 4 Jugendlichen, die über einen Chatroom miteinander verbunden sind, sich aber nicht persönlich kennen. Alle haben einen unterschiedlichen sozialen Hintergrund, völlig unterschiedliche Probleme, teilen jedoch in der virtuellen Welt ein Geheimnis. Drei von ihnen – Nidal, Sammy und Marie – sind voller Todessehnsucht und planen, ohne sich im wirklichen Leben kennenzulernen, ihren gemeinsamen Selbstmord. Yoshua ist ein Hacker. Er arbeitet an einem Programm, mit dem er Chatgespräche aufzeichnen kann, ohne dass die Gesprächspartner es merken. Dabei wird er auf den Chatroom der anderen aufmerksam, die sich hier Train, Whisper und Sailor nennen, und bekommt mit, was diese vorhaben. Er ist fasziniert und schockiert von den Gesprächen und nimmt sich vor, die Selbstmorde zu verhindern.

Die Geschichte wird in kurzen Kapiteln erzählt, die zwischen dem Alltag der 4 Jugendlichen hin und her wechseln, teilweise wird über zurückliegende Ereignisse berichtet oder Ausschnitte aus den Chatprotokollen werden wiedergegeben. Alle leben eigentlich ein relativ normales Leben, sie verbergen sich hinter einer Maske und ihr Umfeld bekommt gar nicht mit, dass sie ein Problem haben. Auch als Leser erfährt man erst gegen Ende des Buches, was die Einzelnen zu ihrer Todessehnsucht gebracht hat.

Das Buch ist bestimmt sehr gut dazu geeignet, über das heikle Thema Selbstmord nachzudenken. Es zeigt, dass es weder typisch für eine bestimmte gesellschaftliche Schicht, ein Geschlecht oder ein familiäres Umfeld ist. Schade finde ich, dass es scheinbar keine Auswegmöglichkeiten gab, keine Anlaufstellen, Familie, Freunde – nur die Anonymität des Internets schafft „Nähe“, um den endgültigen Ausweg zu finden. Weil man zu wenig über die Jugendlichen erfährt, ist es mir nicht so richtig gelungen, mich in die einzelnen Personen einzufühlen. Vielleicht war es aber auch vom Autor so beabsichtigt, um niemanden zur Nachahmung zu verleiten?!

So richtig überzeugt hat mich das Buch nicht.

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