Thomas Fuchs: Leben 2.0

Veröffentlicht: März 4, 2012 in 3 Sterne - Ganz O.K., Freundschaft, Psychologie
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Der Titel „Leben 2.0“ hat nichts mit Computern oder dem Internet zu tun, wie man vielleicht vermuten könnte. Eher passt eigentlich das Cover zu der Geschichte: das Gesicht eines Jugendlichen, das aus vielen Puzzleteilchen besteht, aber an einigen Stellen nicht vollständig ist.

David ist der Erzähler der Geschichte. Er berichtet über Max, einen Mitschüler aus der 11. Klasse seines Münchner Gymnasiums, mit dem er eher flüchtig bekannt als befreundet ist. David gehört nämlich zu den Außenseitern, während Max zu einer „In-Clique“ gehört.

Ihr Verhältnis ändert sich erst, als Max etwas Schlimmes passiert. Als Max mit seinen Freunden auf dem Weg zum Münchner Oktoberfest ist, wird er plötzlich ohne Vorwarnung und ohne dass er sich wehren kann oder ihm seine Freunde helfen können von einem Betrunkenen grundlos zusammengeschlagen und schwer verletzt. Max überlebt mit knapper Not, kann von da an aber an vielen Aktivitäten seiner Freunde nicht mehr teilnehmen, weil ihn eine Beinverletzung stark einschränkt.

Körperlich wird Max zwar nach einigen Monaten wieder gesund, aber psychisch hat er den Angriff überhaupt nicht verkraftet. Er spielt Freunden und Familien gegenüber immer mehr eine Rolle, wechselt zwischen depressiven und aggressiven Phasen und lässt niemanden mehr richtig an sich heran. Da er meistens ziemlich unausstehlich ist, lassen ihn der Reihe nach seine Freunde fallen. Nur seine Freundin Lisa Marie und David versuchen noch, ihn wieder aufzubauen. Als Max so weit unten ist, dass er sogar einen Amoklauf plant, wirft er sein Leben in München hin und verschwindet.

Insgesamt finde ich das Buch ziemlich deprimierend. Das Leben von Max wird sinnlos zerstört und trotz aller Hilfestellungen gelingt es ihm nicht, auch nur annähernd wieder ein normales Leben zu führen. Als Leser schwankt man zwischen Mitleid und Unverständnis. Man hat nicht so richtig Hoffnung, dass er psychisch gesehen wieder auf die Füße kommt. Vielleicht ist es auch schwierig, so etwas nachzuvollziehen, wenn man selbst noch nicht etwas so Schlimmes erfahren hat. Man kann Menschen wie Max nur wünschen, dass aus dem unplanmäßigen „Update“ des Lebens auf 2.0 dann bald die Verbesserungen auf 2.11 oder so erfolgen, damit das Leben wieder besser wird.

Die Thematik des Buches fand ich sehr interessant, aber die Entwicklung von Max zwar vielleicht realistisch (?), aber insgesamt trotzdem unbefriedigend.

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