Oliver Uschmann: Nicht weit vom Stamm

Veröffentlicht: März 4, 2012 in 5 Sterne - Unbedingt anschaffen!!, Familie, Kriminalität
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Das Cover von „Nicht weit vom Stamm“ ist sehr schlicht, aber trotzdem ansprechend. Der Titel lässt auf die Nähe eines Jugendlichen zu seiner Herkunft schließen – gleichzeitig ist eine Kettensäge abgebildet …;-)

Die Hauptperson in Oliver Uschmanns Roman ist Sven Lechner – Sohn aus gutem Haus, der Vater ehemaliger Leiter eines Eliteinternats und sehr erfolgreicher Autor eines Erziehungsratgebers.

Mit 14 ist Sven ein Vorzeigekind mit super Schulnoten, intelligent, vielseitig interessiert und Gewinner des Wettbewerbs „Stadtprojekt der Zukunft“.

Alles ändert sich, als Sven eines Tages auf seine kleine kleine Schwester Lina aufpassen soll, sie aber durch seine Unaufmerksamkeit fast ums Leben kommt. Obwohl Lina sich wieder erholt und ihren großen Bruder immer noch toll findet, kann Sven sich nicht verzeihen. Und auch sein Vater lässt ihn spüren, dass er ihm die Schuld für den Unfall gibt. Svens heile Welt ist zerbrochen.

Mit 19 ist er völlig am Ende, er hat die Schule geschmissen, dröhnt sich mit Alkohol und Drogen zu, randaliert, prügelt sich und lebt irgendwie in den Tag hinein. Svens Mutter ist mit der Situation überfordert, sein Vater hat keine Zeit, sich um ihn zu kümmern. Für die Eltern ist nur wichtig, dass keine Informationen über den „asozialen“ Sohn an die Presse kommen. Svens alte Freunde haben Angst vor ihm. Ausgerechnet seine Schwester Lina ist die einzige, die noch zu ihm hält.

Als Sven damit erpresst wird, dass Lina bei ihrem Auslandsjahr in Australien etwas zustoßen soll, reißt er sich zusammen. Er muss ohne die Hilfe der Polizei oder seiner Eltern Geld organisieren, um den Erpresser zu bezahlen. Dabei erinnert er sich an seine ursprünglichen Talente und nähert sich dabei sehr widerwillig seinem Vater an. Man darf jetzt aber nicht glauben, dass von da an sein Ehrgeiz und damit sein Leben wieder steil nach oben gehen. Im Gegenteil, ab jetzt beginnt eine richtige Achterbahnfahrt – von Begeisterung, Energie und Zuversicht bis zu einem Knastaufenthalt, Wut und tiefem Selbstmitleid ist alles dabei – superspannend.

Auch sprachlich wechselt der Autor zwischen sehr zivilisierter Sprache und übelstem Straßenslang, je nachdem in welcher Phase sich Sven gerade befindet.

Eine wirklich packende und realistische Geschichte über eine total zerrissene Persönlichkeit.

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